Diagnosen aus dem Internet ? Informationen mit Risiken und Nebenwirkungen

Noch nie war es so einfach, an Gesundheitsinformationen zu kommen. Das Internet macht es möglich. Und die Zahl der Internetnutzer  steigt ständig: im Jahre 2016 waren 58 Millionen in Deutschland online (84% der Bevölkerung). Dabei gehören Gesundheitsthemen zu den im Netz am meisten gesuchten Themen (Fox 2011). Drei von vier Deutschen suchen nach Gesundheitsinformationen im Internet. Allein im Oktober 2016 haben sich 33 Millionen Menschen auf den drei großen Gesundheitsportalen* über Gesundheitsfragen informiert.

Aber diese vor Jahren noch unvorstellbaren Möglichkeiten und Chancen für Millionen Menschen, die vorher nur schwer Zugang zu Fachliteratur hatten, sind nicht ohne Risiken, Hindernisse und Herausforderungen:

Es bedeutet eine Umstellung für die Ärzte, die ihre Art der Kommunikation mit Patienten ändern müssen. Immer mehr sehen sie sich mit genauen Fragen gut informierter Patienten konfrontiert, die Erklärungen für Untersuchungen möchten, Diagnosen  hinterfragen und detaillierte Informationen über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten haben möchten.

Das fällt manchen Ärzten, die es gewohnt sind, dass  Patienten tun, was sie sagen und keine Fragen stellen, nicht immer leicht. (Das ist aber wohl eher eine Chance für alle Beteiligten.-)).

Aber auch für die Menschen, die sich informieren wollen ist es oft schwer, die Fülle der Informationen zu überblicken, diese sortieren und zu bewerten.

Und manche medizinische Fachinformationen sind für Nicht – Mediziner auch wegen der Fachsprache nicht so leicht verständlich. Manche Informationen sind für Menschen mit unklaren Beschwerden und Ängsten vor schweren Erkrankungen auch irritierend oder beängstigend (Dazu in einem anderen Blog-Beitrag mehr).

Aber  v.a. sind Fragen zur Qualität der Informationen im Netz zu stellen. Wie können User sicher sein, dass Informationen nicht interessengesteuert sind ?

  • Wie schütze ich mich vor Informationen, die einer bestimmten Ideologie oder Weltanschauung entspringen ?
  • Woran erkenne ich, ob eine Seite unabhängig ist oder von einem Pharmaunternehmen betrieben oder finanziert wird ?
  • Wie kann ich unterscheiden, ob ein Chirurg zu einer Operation rät, an der er verdient ?
  • Wie kann ich sicher sein, dass ein Psychiater nicht zu Medikamenten rät, wo ein Psychotherapeut zu Psychotherapie raten würde ?

All diese Fragen sind extrem wichtig und hinterlassen Betroffenen oft ratlos.

Auch die wenigen Untersuchungen, die es zu dem Thema gibt zeigen, dass diese Fragen berechtigt sind:

  • Die Stiftung Warentest hat Gesundheitswesen zuletzt 2009 getestet. Damals wurden nur 2 von 12 Seiten mit gut bewertet.
  • Beim ARD Magazin WISO bekamen im Jahre 2012 nur 11 von 32 Internetportale die Bewertung gut.

D.h., dass Menschen, die sich im Netz gut und zuverlässig zu Gesundheitsfragen informieren wollen, einige Punkte zu beachten sollten und sich die Informationen, die sie bekommen, kritisch anschauen müssen. (Zur Not helfen ihnen ihr Arzt oder Apotheker .-))

Die Verbraucherzentrale in NRW hat eine Checkliste zur Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet erarbeitet, auf die hier nur kurz hingewiesen werden soll. Darin wird dringend geraten, auf folgende Punkte zu achten:

  1. Wer ist der Anbieter der Information ?
  2. Welche Ziele oder wirtschaftliche Interessen verfolgt der Informationsanbieter ?
  3. Wer ist der Autor oder fachlich Verantwortliche ?
  4. Wie beurteilen Sie die Qualität der Informationen ?
  5. Wie sit die Darstellung des Inhalts ?
  6. Wann wurde die Information erstellt ?
  7. Wirkt sich die Information auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus ?
  8. Erfolgt auf der Seite Trennung zwischen Information und Werbung ?
  9. Werden Datenschutzbestimmungen berücksichtigt ?
  10. Gibt es ein Verschlüsselungssystem ?

Nützliche Informationen zu diesem Thema finden Sie auch beim Gesundheitsmonitor: „Erst einmal Dr. Google fragen und einem Artikel in der ZEIT  vom 8.12.16.

*onmeda.de, gesundheit.de, netdoktor.de